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65 Jahre Linie A2

Akkutriebwagen in der Anfangszeit am Endbahnhof Ochsenzoll

Eine neue Bahn für den Hamburger "Rand"

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges machte sich die Politik Gedanken darüber, wo sie der Bevölkerung aus dem zerstörten Hamburg eine neue Heimat geben sollte. Man beabsichtigte, in den zu dieser Zeit noch sehr kleinen Gemeinden Garstedt, Friedrichsgabe und Harksheide moderne Siedlungen im größeren Stil aufzubauen. Da die öffentlichen Verkehrs­anbindungen dort aus nur zwei Buslinien bestanden, wurden Pläne für den Bau einer „elektrischen Stadtschnellbahn“ bis zur U-Bahn-Station Ochsenzoll der Hamburger Hochbahn entwickelt.

Am 13. September 1946 beschlossen die Kreise Stormarn, Pinneberg und Segeberg, eine elektrische Straßen­bahn von Ochsenzoll nach Meeschensee zu bauen. Nachdem der Kreistag Pinneberg am 21. Januar 1948 beschloss, den Bahnbau allein auszuführen, erfolgte am 15. Oktober 1948 der erste Spatenstich. Während der Bauzeit wurde die Planung dahingehend geändert, die Bahn nicht als Straßenbahn, sondern als Eisenbahn zu erstellen und bis Ulzburg Süd zu verlängern, um einen Anschluss an die Eisenbahn-Gesellschaft Altona-Kaltenkirchen-Neumünster (AKN) herzustellen. Zum Bau und Betrieb einer dem öffentlichen Verkehr dienenden Eisenbahn wurde dem Kreis Pinneberg am 15. Mai 1953 eine Konzession für die Dauer von 100 Jahren erteilt. Zwei Tage später wurde die eingleisige 11,9 km lange Normalspurstrecke von Ochsenzoll nach Ulzburg Süd unter dem Namen Alsternordbahn (ANB) eröffnet. Damit wurde die erste nach dem Krieg neu gegründete nichtbundeseigene Eisenbahn in der Bundesrepublik Deutschland feierlich eingeweiht.

Die Betriebsführung auf der Alsternordbahn ist der AKN übertragen worden. Da der Eigenbetrieb des Kreises keine eigenen Bediensteten beschäftigte, stellte die AKN auch das Personal.

Der Betrieb wurde mit drei Akkumulatoren-Triebwagen und zwei Steuerwagen von der Friedrichsorter Maschinenbau AG Kiel (MaK) aufgenommen. Die für den Akku-Betrieb erforderliche Ladestation einschließlich Wartungshalle ist in Kaltenkirchen am heutigen Sitz der AKN-Abteilung Instandhaltung errichtet worden. Aufgrund der günstigeren Kosten gegenüber drahtgebundenen Zugmeldeeinrichtungen wurde bei der ANB erstmalig ein drahtloses Zugleitfunknetz eingerichtet. Es bestand aus einer UKW-Feststation mit Bedienzentrale auf dem Bahnhof Ulzburg und den entsprechenden mobilen Stationen in den Triebwagen.

Die Erfolgsgeschichte der Alsternordbahn

Die neue Bahnstrecke wurde von den Fahrgästen dankbar angenommen und entwickelte sich mit großem Erfolg, obwohl es entlang der Strecke alternativ auch zwei Buslinien gab. Bereits kurz nach der Betriebsaufnahme optimierte die ANB den Fahrplan mit weiteren Zugfahrten. Nun aber stieß der vorhandene Fahrzeugpark an seine Grenzen. Zeitweilig half die AKN mit ihrem Fahrzeugpool, bestehend aus Trieb- und Steuerwagen, aus. Die Bahnverwaltung beschloss daher, zwei weitere Fahrzeuge zu beschaffen. Da man mit den Akkumulatoren-Triebwagen nicht sonderlich zufrieden war, wurden nun zwei Diesel­triebwagen bei der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN) in Nürnberg bestellt. 1956 gingen die so genannten VT 1 und VT 2 (später VT 4.41, 4.42) in Betrieb. Die Wartungs- und Pflegegleise an der Akku-Ladestation in Kaltenkirchen wurden um ein Gleis erweitert, so dass für den Fahrzeugpark genügend Abstelllänge vorhanden war. 1958 beschaffte die ANB einen weiteren Trieb- und drei Steuer­wagen von MAN (VT 4.43, VS 4.51 bis 4.53). Mit diesem Fahrzeugbestand führte sie bis 1967 den Personenverkehr durch.

1965 wechselte der Eigentümer. Der Kreis Pinneberg veräußerte das Unternehmen an das Land Schleswig-Holstein. 1966 trat die Alsternordbahn dem Hamburger Verkehrsverbund bei. Bereits ein Jahr später wurde zum 1. August 1967 der Eisenbahnbetrieb auf der Teilstrecke Ochsenzoll – Garstedt-Birkenweg eingestellt und ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Der 1,5 Kilometer lange Schienenweg ist für den Bau der U-Bahn abgebrochen worden. Am 20. Oktober 1971 wurde mit Inbetriebnahme der Anschlussbahn der Hamburgischen Electricitäts-Werke der Güterverkehr aufgenommen.

1967 beschaffte die ANB einen weiteren MAN-Triebwagen (VT 4.44), der zuvor bei der Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn im Einsatz war und löste damit die Akkumula­toren­fahrzeuge ab. Sie wurden 1967 abgestellt und später verschrottet. Gleichzeitig schloss die ANB die Lade­station in Kaltenkirchen. Das Gebäude nutzt heute der Bereich Instandhaltung der AKN. Die Wartung der ANB-Fahrzeuge erfolgte fortan in der AKN-Werkstatt.

Die 1970 durch Zusammenschluss der Gemeinden Garstedt, Harksheide, Friedrichsgabe und Glashütte ge­gründete Stadt Norderstedt plante den Bau seines Ortszentrums mit einer Anbindung an einen attraktiven ÖPNV-Verkehrsknoten. Der Stadtmittelpunkt sollte am ehemaligen ANB-Haltepunkt Harkseichen-Falkenberg entstehen und Norderstedt Mitte heißen.

Die Stadt erwog sorgfältig, wieweit das Zentrum an den öffentlichen Nahverkehr anzubinden sei. Kerngedanke war die U-Bahn-Verlängerung bis Norderstedt Mitte. Alternativ wurde über den Einsatz eines Spurbusses oder von konventionellen Bussen auf der Reststrecke zwischen Norderstedt Mitte und Ulzburg Süd nachgedacht. Schließlich wurde 1992 die als Linie A 2 bezeichnete Strecke Garstedt ― Ulzburg Süd an die Verkehrs­gesell­schaft Norderstedt mbH (VGN) verkauft. Den Betrieb führt die AKN durch. Die Strecke wurde zweigleisig ausgebaut und neue Fahrzeuge wurden beschafft. Bereits 1977 hatte die ANB ihre eigenen Trieb- und Steuerwagen verkauft und setzte seither Fahrzeuge von der AKN ein.

Nach dem Umbau der Strecke präsentierte sich die Linie A 2 zum Fahrplanwechsel am 29. Sep­tember 1996 in neuem Glanz. Die U-Bahn fährt heute zweigleisig bis Norderstedt Mitte und endet dort in Tieflage. Die A 2 ist bis zum Haltepunkt Moorbekhalle zweigleisig ausgebaut worden und endet nach einem Kilometer eingleisig im neuen Bahnhof Norderstedt Mitte in einem Stumpfgleis. Die U-Bahnzüge halten am gleichen Bahnsteig – die so genannte „Spanische Lösung“. Für den Betrieb beschaffte die VGN vier Triebwagen des Typs VTA von Alstom LHB (VT 2.58 – VT 2.61). Der gleiche Fahrzeugtyp ist auch bei der AKN im Einsatz.

Sechs Jahre Norderstedts größte Baustelle

Der erste Spatenstich erfolgte am 9. September 1991 ― am damaligen „Entenschnabel“, wie die Schleife der Rathausallee in dieser Zeit spöttisch genannt wurde. Doch bevor die U-Bahn auf der Trasse der A 2 gebaut werden konnte, musste einiges passieren: Um während der Bauarbeiten weiter zwischen den Bahnhöfen Garstedt und Waldstraße zu verkehren, brauchte die A 2 eine Ersatztrasse. Gleichzeitig musste der Ausbau der A 2-Strecke zwischen der neuen Haltestelle Moorbekhalle und Ulzburg Süd so weit vorangetrieben werden, dass hier zeitgleich mit der Inbetriebnahme der eingleisigen Ersatztrasse zweigleisig gefahren werden konnte.

Zehn Kilometer A 2-Gleis wurden neu oder umgebaut, ein über 15 Meter langer Fußgängertunnel an der Station Moorbekhalle gegraben, Haltestellen und Bahnübergänge umgebaut oder neu geschaffen. Manches ging nur nachts, bei Wind und Wetter – denn Züge und Autos mussten weiterfahren. Am 16. Juni 1992 war es soweit: Die A 2 war auf ganzer Länge verlegt, das Baufeld für die 2,8 Kilometer lange U-Bahn-Strecke frei.

In Norderstedt Mitte entstand das aufwendigste Teilstück, der gemeinsame Bahnhof von
U-Bahn und A 2 mit dem ZOB Norderstedt: 500 Meter Trogbauwerk, 330 Meter Tunnel mit Kehr- und Abstellgleisen, Betriebsräumen und Empfangsgebäude mit Busbahnhof darüber, zusätzlich noch Stützwände und eine Fußgängerbrücke am nördlichen Eingang. Nicht zu vergessen die Rückhaltebecken mit Pumpstation nördlich und südlich des neuen Bahnhofs.

Am 1. September 1996 wurde pünktlich der Probebetrieb der U-Bahn aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war auch der A 2-Gleisanschluss an die Haltestelle Norder­stedt Mitte gelegt und damit auch die neue A 2-Strecke endgültig hergestellt. Bis Ende 1997 wurde auf Norderstedts größter Baustelle noch fleißig gearbeitet.

(Aus: 125 Jahre AKN EIsenbahn AG: 1883 - 2008, Ellert & Richter  Verlag GmbH, Hamburg 2008, S. 96-101)

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